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Gustav Hoffmann












Schuhfabrik Kleve mit Elefanten 30er Jahre












Heidelberg Werk 50er Jahre












Endkontrolle












Schaufenster 50er Jahre












Plakat Sommerschuhe und Sandalen












Plakat Babyschuhe, Kinderschuhe und Jugendschuhe












Katalog von 1957












Katalog von 1959








Elefanten

Produkt:
Schuhe
Entstehungsjahr: 1886
Unternehmen: Heinrich Deichmann-Schuhe GmbH & Co. KG
www.elefanten.de


»Immer munter und gesund in Elefanten-Schuhen« (1957)

Essen, im Februar 2006:
als DEICHMANN am 1. Juni 2005 die Markenrechte für Elefanten-Kinderschuhe erwarb, war dies das Signal für den Neustart der traditionsreichsten deutschen Kinderschuhmarke – eine Tradition, die ihren Anfang in Kleve am Niederrhein nahm. Dort gründete Gustav Hoffmann, das älteste von sechs Kindern eines Händlers für Schuhmacherbedarf, mit seinem aus Berlin stammenden Schwager Fritz Pannier 1896 eine Fabrik, die ausschließlich Kinderschuhe herstellte.

Das war für die damalige Zeit eine Revolution. Bis dahin waren Kinderschuhe nur verkleinerte Versionen der Schuhe, die Erwachsene trugen. Man war der Meinung, der Kinderfuß werde sich den Schuh schon passend machen. Doch die Folgen für die Fußgesundheit waren verheerend: Kinderschuhe seien „wahre Verkümmerungsmaschinen“, so das vernichtende Urteil von Pfarrer Kneipp.

Pannier und Hoffmann stellten nun erstmals Kinderschuhe mit unterschiedlichen Leisten für den linken und den rechten Fuß her – das Schuhwerk näherte sich der menschlichen Anatomie an. Die Produkte der beiden, unter Namen wie „Robinson“ und „Dornröschen“ vertrieben, hatten Erfolg. Gleichwohl trennten sich die Wege der Unternehmer 1908.

„Normalschuh mit biegsamer Sohle“
Damit sie sich nicht gegenseitig ins Gehege kamen, vereinbarten sie, dass Hoffmann nur Schuhe bis Größe 26 herstellen dürfe, sein Partner die Größen darüber. Einig blieben beide in dem intensiven Bestreben, ihre Produkte zu verbessern. So führte Hoffmann 1910 beispielsweise „Dr. Koch’s Normalschuh mit biegsamer Sohle“ ein.

Der große Durchbruch kam jedoch 1928, als Hoffmann von einem Hamburger Schuhgroßhändler die Marke Elefanten erwarb und diese konsequent zu einer Qualitätsmarke für Kinderschuhe ausbaute. Ende der 20er Jahre beschäftigte Hoffmann in seiner Fabrik bereits rund 3.000 Arbeiter, die täglich 17.000 Paar Schuhe herstellten.

Als Gustav Hoffmann am 2. Februar 1935 an einem Herzinfarkt starb, war er allerdings nicht mehr Herr im eigenen Haus. Zwei Jahre zuvor hatte er sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandeln müssen – eine Folge der Weltwirtschaftskrise, die auch Hoffmann in Zahlungsschwierigkeiten brachte. Aus den Gläubigern wurden Aktionäre.

Die meisten Anteilsscheine erhielt die Freudenberg-Gruppe, Lederlieferanten aus dem badischen Weinheim, die 1935 alle anderen Aktionäre herauskaufte. An der Spitze des Unternehmens installierten die neuen Besitzer den damals gerade 29 Jahre alten Betriebswirt Dr. Walther Siegert. Er führte das Unternehmen bis zu seiner Pensionierung 1969 insgesamt 36 Jahre lang sehr erfolgreich.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Werke von Hoffmann in Kleve und anderen Orten am Niederrhein schwer beschädigt, ab 1945 konnte die Produktion jedoch unter schwierigsten Bedingungen wieder aufgenommen werden. Im November 1946 betrug die Tagesproduktion 4.800 Paar Schuhe.

Erstmals Tausende von Kinderfüßen vermessen
Mit dem Wirtschaftswunder nahm auch die Marke Elefanten wieder einen steilen Aufschwung. Zu Beginn der 50er Jahre arbeiteten wieder mehr als 3.000 Frauen und Männer in den Werken von Hoffmann, die Jahr für Jahr eine halbe Million Paar Kinderschuhe herstellten – jedes dritte Kind in Deutschland trug damals Elefanten-Schuhe.

Elefanten-Schuhe setzten vor allem in Sachen Qualität immer neue Maßstäbe. So brachte das Unternehmen 1955 den „Torsana“-Schuh auf den Markt, der dank flexibler Laufsohle der Bewegung des Fußes beim Laufen („Torsion“) folgen konnte. Besondere Bemühungen investierten die Elefanten-Forscher in die Verbesserung der Passform: In Zusammenarbeit mit Orthopäden wurden 1959 erstmals Tausende von Kinderfüßen in Deutschland systematisch vermessen und daraus neue Maßtabellen für die Herstellung der Leisten entwickelt. Das Fundament für eine kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit war gelegt.

Auf der Basis dieser Messungen entwickelte Elefanten 1960 den T3-Schuh – und schuf damit in der Branche neue Standards: 1962 veröffentlichte die Gustav Hoffmann GmbH sämtliche Maßtabellen, die dann zwei Jahre später in das vom Arbeitskreis Kinderschuhe gebilligte Maßsystem „aka 64“ übergingen. Damit wurden die Ergebnisse der Entwicklungsarbeit bei Elefanten auch anderen Herstellern zugänglich gemacht. Mit diesem Standard wurden 1966 rund vier Fünftel des Angebots an deutschen Kinderschuhen hergestellt.

Quantensprung durch WMS
Der Erfolg der Elefanten-Schuhe ließ das Unternehmen immer weiter expandieren – in den 60er Jahren verging kein Jahr, in dem Hoffmann nicht neue Betriebe eröffnete (zum Beispiel in Ostfriesland) oder andere Firmen übernahm. Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung Anfang der 70er Jahre, als 4.200 Mitarbeiter in 23 Betriebsstätten mehr als neun Millionen Paar Schuhe pro Jahr herstellten.

1960 wird der neue Elefanten T3-Schuh vorgestellt. 1964 folgt der neuartige Lauflernschuh „el chico“. Er wird zum meistverkauften Lauflernschuh der Welt. Das ständige Bemühen, die Qualität der Produkte zu verbessern, führte 1974 zu einem weiteren Quantensprung. In diesem Jahr startete das Unternehmen das gegenüber den vorherigen Tabellen nochmals verbesserte Weiten-Maß-System (WMS). Es leitete die Entwicklung von Kinderschuhen in verschiedenen Breiten (weit, mittel, schmal) ein. Das Weiten-Maß-System, dessen Vorgaben vom Arbeitskreis Kinderschuhe ständig überprüft werden, stellt sicher, dass bei der Serienproduktion die natürlichen Fußproportionen berücksichtigt werden. Es hat sich seit Jahrzehnten in der Praxis bewährt und trägt dazu bei, Schädigungen des Kinderfußes durch falsches Schuhwerk zu vermeiden. Das System wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Produktion ging nach Asien
Wirtschaftlich begann der Elefant allerdings in den 70er Jahren bereits aus dem Tritt zu geraten. Ein wesentlicher Grund war der Pillenknick. In Deutschland hatte er zur Folge, dass sich innerhalb weniger Jahre die Geburtenzahlen fast halbierten. Der Markt für Kinderschuhe brach ein. Hinzu kam, dass die Arbeitskosten in der Produktion kontinuierlich stiegen. Das Management suchte dringend nach Auswegen. Wie andere Hersteller auch verlagerte man die Produktion zunehmend ins Ausland und wollte in den dortigen Märkten auch expandieren. Hoffmann startete Unternehmungen in Brasilien, im Iran und in Finnland. Sie alle brachten aber nicht den erwünschten Erfolg.

Im Jahr 2000 musste die Produktion in Kleve, dem Stammsitz des Unternehmens, endgültig aufgegeben werden. Die Produktion wurde immer internationaler und arbeitsteiliger organisiert. So wurden zum Beispiel die Schäfte der Schuhe in Südostasien bzw. Osteuropa produziert und in einem Werk in Portugal die Kunststoffsohle angefügt.

Ungünstige demographische Entwicklung
2001
verkaufte die Freudenberg-Gruppe das Traditionsunternehmen an den britischen Hersteller Clarks, der nach mehreren Restrukturierungsversuchen im Juli 2004 die Schließung des Unternehmens vollzog. Als Hauptursache nannte Clarks „die ungünstige demographische Entwicklung im Kernabsatzmarkt Deutschland“.

Vor allem die Bevölkerungsgruppe mit höherem Bildungsniveau und höherem Einkommen trage überproportional zum Nachwuchsmangel bei – der Markt in der Hauptzielgruppe für Elefanten-Schuhe schrumpfe somit dramatisch. Ein weiterer Grund für den Niedergang war nach Ansicht von Fachleuten die Entscheidung, sich im Vertrieb ausschließlich auf den Schuhfachhandel zu konzentrieren.

Die Zukunft: Größeres Angebot, gesteigerte Qualität, niedrigere Preise
Zum Jahresende 2004 wurde der Geschäftsbetrieb in Kleve eingestellt. Fünf Monate später erwarb DEICHMANN die Markenrechte und kündigte für das Frühjahr 2006 eine neue Kollektion an. Da DEICHMANN auch die Werkzeuge und Leisten übernommen hatte und mit den gleichen Lieferanten wie Elefanten zusammenarbeitet, war man in Essen sicher, den Qualitätsstandard der Marke mindestens halten und sogar noch verbessern zu können, das ganze aber zu günstigeren Preisen, als es die Elefanten-Kunden bisher gewohnt waren. Auch die neue Kollektion trägt wieder das WMS-Siegel.

Für die Zukunft hat Elefanten noch einen weiteren Startvorteil: In der Vergangenheit orderten die einzelnen Händler jeweils nur Ausschnitte der jeweils aktuellen Kollektion. Für die Filialen der DEICHMANN-Gruppe in Ländern wie Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Polen und den übrigen europäischen Standorten wird die Kollektion zentral zusammengestellt und dem Kunden in einer bisher nicht gekannten Breite in den Läden präsentiert. Damit hat er eine beispiellose Auswahl und entscheidet mit seinem Kaufverhalten sehr direkt, wie sich das Elefanten-Angebot weiterentwickeln wird.




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