Markenmuseum.de - Markenhistorie
     
 
 
 


Reklameschild für Bierexport nach Frankreich um 1910






Verkaufswerbeständer Ende der 1930er Jahre






Reklame-Postkarte der Böhmischen Aktienbrauerei Ende der 1930er Jahre






Emaille-Werbeschild der Brauerei zur Exportförderung in die deutschsprachigen Länder von ca. 1950






Jubiläumsetikett von 1995




Budweiser Budvar


Produkt: Bier
Entstehungsjahr: 1935
Unternehmen: Budweiser Budvar Importgesellschaft mbH, Erfurt
www.original-budweiser.cz, www.budweiser-budvar-import.de


Ein tschechisches Bier geht um die Welt

Den ersten Versuch zur Gründung einer eigenen Brauerei machten die Tschechen des Ortes Budweis bereits im Jahr 1891. Die Gründungs-Hauptversammlung der Aktionäre der „Böhmischen Aktienbrauerei“ wurde für den 15. April 1895 einberufen. Am 07. Oktober 1895 wurde der erste Sud gekocht und sehr schnell stellten sich aufgrund der hohen Bierqualität die ersten Erfolge ein: 1897 wurde das Bier bereits nach Prag, Wien und Triest ausgeliefert. Ab 1906 gehörten auch die Vereinigten Staaten zu den Abnehmerländern. Parallel dazu erweiterte sich der Fuhrpark: bereits im ersten Jahr ihres Bestehens hatte die Brauerei einen eigenen Gleisanschluss und drei Waggons, 1905 waren es zwölf, 1907 sechzehn und 1908 achtzehn Güterwagen. Der Bierausstoß stieg bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs ebenfalls von Jahr zu Jahr: 1910 betrug er 165.931 Hektoliter und 1913 sogar 195.657 Hektoliter.

Die Brauerei investierte aber auch in Werbung: schon früh verkaufte man Emaille-Firmenschilder und Bilder der Brauerei. Außerdem warb man in Tageszeitungen.

Ende der zwanziger Jahre produzierte die Brauerei zahlreiche Biersorten und ließ sich Schutzmarken für Český budějovický granát (Budweiser Granatbier) im Jahr 1922 und Český budějovický granát (Budweiser Crystal) im Jahr 1925 registrieren. Zu Weltruhm gelang die Marke Budvar, die im Jahre 1930 registriert wurde. Hintergrund der Namensgebung war folgender: der Name sollte kurz sein und aus einem einzigen Wort bestehen, das auch in den Weltsprachen gut aussprechbar ist. Der Name Budvar entstand durch Verbindung der Anfangs- und Endsilbe der beiden Wörter Budějovický und pivovar (Bier). 1934 folgte die Registrierung ihres deutschen Äquivalents Budbräu. In den dreißiger Jahren beschäftigte die Brauerei bereits 350 Mitarbeiter.

Nach dem zweiten Weltkrieg folgte die Verstaatlichung des Unternehmens, das am 31. Mai 1948 in „Budějovický pivovary, n.p.“ (Budweiser Brauereien, Nationalunternehmen) umbenannt wurde. Die dann folgende vierzigjährige Periode der staatlichen Planwirtschaft brachte der Brauerei nichts Gutes. Der Charakter der tschechoslowakischen Wirtschaft begann sich deutlich zugunsten anderer Industrien – wie z.B. der Schwerindustrie – zu wandeln.  Das hing mit der monopolistischen und unkontrollierbaren Stellung der marxistisch-leninistischen Partei als führende Kraft in der Gesellschaft und mit der Lehre von der historischen Bedeutung der Arbeiterklasse zusammen. Später, als der tschechoslowakische Staat dringend Devisen benötigte, erinnerte man sich an die sehr erfolgreichen Exportaktivitäten der Brauerei und lieferte erneut in die Länder Österreich, Griechenland, Portugal, Spanien und die Schweiz. In die Bundesrepublik Deutschland erfolgten die ersten Nachkriegsexporte 1963 (17 hl), die dann ab 1968 kräftig gesteigert werden konnten. Ende der achtziger Jahre wurde fast 75% des Bierausstoßes exportiert. Auf dem heimischen Markt war Budvar jedoch Mangelware geworden.

Anfang der 90er Jahre – nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaft – bemühte sich das Unternehmen um eine schnelle (Re-)Privatisierung, um die absolute Selbstständigkeit und Unabhängigkeit wieder zu erlangen. Die vorbereitete Privatisierung durch die Unternehmensleitung erwies sich jedoch als sehr problematisch, als die größte Brauerei der Welt,  die amerikanische Anheuser-Busch, Inc., ins Spiel kam. Sie hatte 1990 begonnen, einen enormen Druck auf den Erwerb einer möglichst großen Kapitalbeteiligung an der berühmten Budweiser Brauerei auszuüben. Die Angebote wurden jedoch abgelehnt und man entschloss sich weiterhin unabhängig und selbstständig zu agieren. (Auf die besondere Problematik des mittlerweile achtzigjährigen Streites um die weltweiten Markenrechte für „Budweiser“ zwischen diesen beiden Unternehmen soll an dieser Stelle aufgrund der Komplexität und aufgrund von laufenden juristischen Verfahren nicht eingegangen werden).

Bei allen Rekonstruktionen lag die Betonung vor allem auf einem: die Spitzenqualität und den unverwechselbaren Geschmackscharakter des Budvar zu wahren.

1996 erreichte die Brauerei erstmalig in der Geschichte einen Jahresausstoß von über einer Million Hektoliter.

Im Jahr 2000 exportierte die Brauerei ihr Bier bereits in 56 Staaten der ganzen Welt. In einigen Ländern fing Budweiser Budvar im Laufe der neunziger Jahre an, eigene Tochtergesellschaften zu gründen, u.a. auch 1999 als Budweiser Budvar Vertriebsgesellschaft in Deutschland. Heute ist Deutschland der größte Auslandsmarkt mit einem Jahresvolumen von etwas 200.000 Hektolitern. In Österreich und der Slowakei ist Budweiser heute die meistverkaufte ausländische Biermarke. Ende 2000 startete Budweiser Budvar mit der Marke „Czechvar“ einen erneuten und überaus erfolgreichen Ansatz ihr Bier in die Vereinigten Staaten von Amerika zu liefern.

Die Autoren des Buches „The International Book of Beer“  halten Budweiser Budvar für eines der zehn besten Biere der Welt.


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