Markenmuseum.de - Markenhistorie
     
 
 
 


Auf Passstraßen mit dem Blaupunkt Autosuper. Grafik aus dem Jahr 1934.








 

 

 

 

 

 




In den 50er Jahren saß nicht mehr stets der Patriarch am Steuer. Die Werbung wandte sich mehr und mehr an Frauen als Autofahrerinnen und -käuferinnen.














Verliebt in Blaupunkt. In dieser Anzeige von 1958 dominiert ein rotes Herz den Hintergrund und das Auto selbst erscheint als Autoradio auf Rändern. Emotionen pur!

















Kein Autoradio ist zu sehen, doch die Botschaft ist klar: Blaupunkt sieht sich als junge Marke mit sportlichem Image.













Buch-Cover des Buches »Blaupunkt. Die Werbegeschichte einer Marke« von 2007.















Blaupunkt

Produkt: Autoradios
Entstehungsjahr: 1924
Unternehmen: Blaupunkt GmbH, Hildesheim
www.blaupunkt.de


Mit einem blauen Punkt fing alles an
Spannende Markengeschichte des Autoradios

Ein Auto ohne Radio ist wie ein Auto ohne Räder. Das war nicht immer so, denn die Geschichte des Auto-Empfängers begann erst vor rund 80 Jahren; in Europa kam das erste serienreife Modell Anfang der Dreißiger heraus. Die Entwicklung vom Luxusartikel, der zunächst etwa ein Drittel vom Preis eines Wagens kostete, zum erschwinglichen Standardzubehör, an dem nur noch die Fülle seiner High-Tech-Features luxuriös zu nennen ist, setzte in den sechziger Jahren ein.

Eine entscheidende Rolle in der Durchsetzung des automobilen Rundfunkempfangs spielte „Blaupunkt“. Die Geschichte dieser großen Marke illustrieren eindrucksvoll die Bilderwelten der Reklame und Anzeigen mit dem berühmten blauen Punkt, die ein hinreißendes Stück Werbe- und Kulturhistorie erlebbar machen. Bis heute begleitet und symbolisiert dieses unverwechselbare Farbsignal den Markennamen des Unternehmens.
Die Werbung, die Blaupunkt im Lauf der Jahrzehnte für ihr Zielpublikum entworfen hat, gibt Auskunft über den jeweils aktuellen Stand der Technik, aber auch über den herrschenden Zeitgeist und das Lebensgefühl der potentiellen Käufer.

Die Zwanziger:
Die Marke Blaupunkt entsteht.
In den 20er Jahren trug Blaupunkt noch einen anderen Namen. 1923, als in Deutschland der Rundfunk seine ersten Töne von sich gab, wurde in Berlin die Firma "Ideal" gegründet. Sie stellte zunächst Kopfhörer her. Jedes einzelne Stück wurde von Technikern sorgfältig geprüft und mit einem Qualitätssymbol gekennzeichnet – dem blauen Punkt. Ein Jahr später, 1924, wurde der blaue Punkt beim Reichspatentamt in Berlin als Warenzeichen angemeldet. Allerdings sollte es noch 15 Jahre dauern, bis das Firmenzeichen zum Firmennamen wurde, aus "Ideal" also die Blaupunkt Werke GmbH hervorging.

Die Dreißiger:
Luxuserzeugnis für die Happy Few
Schon Europas erster Autosuper von 1932 war ein Blaupunkt. Das Gerät war von Bosch-Ingenieuren in Stuttgart speziell für den Einbau in Kraftwagen entwickelt worden.
Das erste europäische Autoradio war fernbedienbar, aber auch unendlich weit entfernt vom bescheidenen Niveau der durch die Wirtschaftskrise zusätzlich gedrückten Massenkaufkraft; es blieb eher ein Traum für die unteren 60 Millionen. Für die etwa 400 produzierten Exemplare des „Autosuper 5“ nahm die Blaupunkt-Werbung die betuchten oberen Zehntausend ins Visier. Es galt, einem überaus exklusiven Publikum ein exquisites Statussymbol anzudienen. Die aufwändigen Farbprospekte schwelgen denn auch ausschließlich in der suggestiven Darstellung des Lebensgefühls der „Happy Few“: Wir tauchen ein in die mondäne Welt eleganter Coupés und Cabriolets, gleiten durch futuristische Wolkenkratzerschluchten und über luftige Hochgebirgsstraßen – es ist eine große, weite Glitzerwelt, und ein „Autosuper“ bezeugt die Zugehörigkeit zu dem elitären Kreis, der sie hinter nicht enden wollenden Motorhauben durchschwebt. Der meist als Silhouette abgebildete Herrenfahrer und das Luxusgeschöpf an seiner Seite bleiben gesichtslos und anonym – ihre Identität ist durch den offenkundig weit herausgehobenen ökonomischen und sozialen Status ausreichend definiert. Auch der technische Aspekt, ja selbst eine Abbildung des Produkts steht völlig im Schatten des zelebrierten Lifestyle – kein Wunder, denn es gibt nur ein Modell, und die voluminösen, mit fünf Röhren bestückten Geräte haben weder Konkurrenz, von der man sich abheben müsste, noch ein allzu absatzförderliches Design.
Das Qualitätssymbol wurde zum Markenzeichen, 1938 auch zum Firmennamen.

Die Fünfziger:
Mobiler Hörgenuss für Millionen

In den Fünfzigern läuft die Massenmotorisierung an, Blaupunkt offeriert als erster Hersteller UKW-Hörrundfunk im Auto, und bald sind Dutzende von Gerätevarianten auf dem Markt. Anzeigen ergänzen nun die früher dominierende Prospektwerbung, und in ihnen fällt jetzt zunehmend den Radios selbst eine Hauptrolle zu. Was optisch einfacher geworden ist, weil die einstige „Radio-Musiktruhe auf Rädern“ noch vor der Transistor-Ära ein armaturenbretttaugliches Format gewonnen hat.
Auch das gezeigte Ambiente wandelt sich tiefgreifend: Die schicken dicken Schlitten von einst nähern sich dem Limousinen-Normalmaß an, die Cabrios werden niedlich und selbst ein Mittelklassemodell wird gelegentlich gesichtet. Die Reisen – nach wie vor ein bevorzugtes Sujet – verlieren ihr mondänes Flair; sie sind nur noch „schick und fein“, ganz so, wie es Cornelia Froboess besingt.


Der Pluspunkt im Auto
Mit der Demokratisierung des automobilen Hörgenusses, ermöglicht durch immer preiswertere Geräte und steigende Einkommen, umgibt sich die Marke jetzt auch mit attraktiven Gesichtern, wobei erst in der swingenden Stereo-Ära der Sechziger das Personenfoto die meist harmlos-heitere Zeichnung ablöst. Sympathiewerbung ist angesagt. Allerdings: Wer einen nützlichen Dienstleister kauft, legt nicht nur Wert auf werblich erzeugte Emotionen. Angesichts von Produkten, deren Profil sich zunehmend durch gesteigerten Gebrauchswert, technisches Know-how und bahnbrechende Innovationen bestimmt, gewinnen Sachlichkeit und Informationsvermittlung an Bedeutung. Der „Pluspunkt im Auto“, wie es später im Claim zum Blaupunkt-Logo heißen wird, will erläutert sein.

Gegenwart
Heute ist das 100-millionste Blaupunkt-Autoradio längst Geschichte. Der „amüsante Reisebegleiter“ ist zum volldynamischen Stauberater geworden, man genießt „mobile Klangsysteme“, spricht von „Car-Multimedia“ und vom „mobilen Kommunikationszentrum“. Für die Blaupunkt-Werbung ist es bedeutsamer als je zuvor, technologischen Vorsprung und Kompetenz zu verdeutlichen. Auch die Perfektion, in der dies geschieht, kann das Blaupunkt-Buch bilderreich und überzeugend vermitteln. Inzwischen sind mehr als 125 Millionen Autoradios und mehr als drei Millionen Fahrzeug-Navigationssysteme mit dem blauen Punkt von den Bändern gerollt. Zudem hat das Unternehmen die technische Entwicklung für das Radio auf Rädern forciert, sei es 1952 mit dem ersten UKW-, sei es 1969 mit dem ersten Stereo-Autoradio oder 1974 mit dem ersten Verkehrsfunk-Empfänger – sei es 1989 das erste Zielführungssystem oder 1998 zum Beispiel mit dem ersten Verkehrstelematik-Endgerät. Seit 1933, also mehr als sieben Jahrzehnten, gehört Blaupunkt zur Bosch-Gruppe. Nach dem Krieg siedelte das Unternehmen von Berlin nach Hildesheim um.

Der Bekanntheitsgrad dieses ewig jungen Markenzeichens gilt als phänomenal. Ein von Blaupunkt herausgegebenes Buch „Blaupunkt. Die Werbegeschichte einer Marke“ (200 Seiten, rund 300 Abbildungen) zeichnet diese Entwicklung des „blauen Punktes“ lückenlos nach. Der großformatige, opulent ausgestattete (und selbstverständlich blaue) Hardcover-Band zur Geschichte der großen Marke, die so heißt, wie ihr Zeichen aussieht, kann übers Internet unter www.blaupunkt.de im Shop bestellt werden (Preis: 19,90 Euro, ISBN-10 3-922805-93-0).
 

» Kinowerbefilm von 1938 abspielen...




Hier tönt Blaupunkt aus einem Ford Taunus, der Anfang der 50er Jahre mit einer Front im Stil der US-amerikanischen »Coffin nose« (»Sargnase«) beeindruckte.




Zu Bookmarking-Diensten hinzufügen:
| |